Immobilienmarkt Lahn-Dill, Siegerland und Westerwald 2026
Zwischen Haiger und Gießen liegen 40 Autominuten — und beim Quadratmeterpreis für Eigentumswohnungen fast 1.200 Euro. Wer seine Immobilie mit einem Landesdurchschnitt bewertet, liegt zwangsläufig daneben.
Wir haben für alle Standorte unseres Einzugsgebiets die aktuellen Angebotspreise zusammengetragen (Quelle: immoportal.com, Stand 01.09.2026) und den Einwohnerzahlen der Statistischen Landesämter gegenübergestellt. Das Ergebnis zeigt eine Spannweite, die viele Eigentümer unterschätzen.
Die Spanne innerhalb einer Region ist größer als erwartet
In Hessen reichen die Angebotspreise für Eigentumswohnungen von rund 2.538 €/m² in Haiger bis 3.728 €/m² in Gießen — ein Unterschied von etwa 47 Prozent innerhalb eines Bundeslands. Im Siegerland liegt die Spanne zwischen 2.000 €/m² in Hilchenbach und 2.556 €/m² in Freudenberg. Nicht die Region entscheidet über den Wert, sondern der konkrete Ort und die konkrete Lage darin.
Universitätsstädte laufen anders als das Umland
Gießen und Marburg heben sich deutlich ab: 12,17 €/m² beziehungsweise 12,62 €/m² Angebotsmiete gegenüber 8,47 €/m² in Dillenburg und 8,81 €/m² in Haiger. Der Grund ist die Nachfrage nach kleinen Einheiten durch Studierende. Für Kapitalanleger heißt das höhere Mieteinnahmen — aber auch deutlich häufigere Mieterwechsel und stärkere Abnutzung.
Der Kaufpreisfaktor sagt mehr als der Quadratmeterpreis
Teilt man den Kaufpreis durch die Jahresnettokaltmiete, erhält man den Kaufpreisfaktor: die Zahl der Jahre, die eine Immobilie braucht, um sich über die Miete zu tragen. In Gießen liegt er bei rund 25,5, in Siegen bei 23,1, in Betzdorf bei 25,6. Wer einkauft, sollte diese Zahl kennen — sie ist der ehrlichere Maßstab als der reine Quadratmeterpreis.
Nicht überall geht es nach oben
Die Entwicklung ist keineswegs einheitlich: Während Gießen (+1,9 %) und Wilnsdorf (+6,1 %) bei den Kaufpreisen zulegten, gaben Netphen (−6,5 %), Hilchenbach (−7,1 %) und Olpe (−16,6 %) nach. Bei kleinen Märkten ist dabei Vorsicht geboten — dort beruhen die Werte auf wenigen Inseraten, und einzelne Objekte verschieben den Durchschnitt erheblich.
Was das für Eigentümer praktisch bedeutet
Erstens: Für eine Verkaufsentscheidung taugen Portalwerte als Orientierung, nicht als Grundlage. Die belastbaren Zahlen führt der Gutachterausschuss für Grundstückswerte des jeweiligen Landkreises — das sind beurkundete Kaufpreise statt Wunschvorstellungen aus Inseraten. Zweitens: Bei der Neuvermietung entscheidet die örtliche Vergleichsmiete, nicht der Kreisdurchschnitt. Drittens: Eine zu hoch angesetzte Miete kostet Leerstandsmonate, die die Mehreinnahme schnell auffressen.
Wo Sie die Zahlen für Ihren Ort finden
Für jeden unserer 33 Standorte haben wir die verfügbaren Kennzahlen auf der jeweiligen Ortsseite hinterlegt — mit Quelle, Stichtag und dem ausdrücklichen Hinweis, wo die Daten an ihre Grenzen stoßen. Für acht kleinere Gemeinden gibt es bewusst keine Werte: Dort sind schlicht zu wenige Inserate vorhanden, um einen belastbaren Durchschnitt zu bilden.
Dieser Beitrag gibt den Rechtsstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt.